Grundschule „Heinrich Heine“  schlägt Revierförster Maik Meißner  für den Salzmannpreis 2018 vor

Mit dem Salzmann-Preis des Freistaats Thüringen werden in jedem Jahr zehn Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich im Bereich der frühkindlichen, schulischen und außerschulischen Bildung sowie im Ehrenamt besonders verdient gemacht haben.

Das gesamte Team der Grundschule „Heinrich Heine“ war sich darüber einig, Maik Meißner  für diesen Preis vorzuschlagen. Unsere Empfehlung wurde von einer sachkundigen Jury aufgegriffen, sodass  Maik Meißner für die Auszeichnung 2018 ausgewählt wurde.

Die feierliche Übergabe des Salzmannspreises durch den Minister für Bildung, Jugend und Sport, Helmut Holter, fand am 15.11.2018 im Staupitzsaal des Evangelischen Augustinerklosters in Erfurt statt.  

Die Grundschule „Heinrich Heine" in Uhlstädt genießt seit nunmehr 15 Jahren eine sehr wertschätzende Kooperation mit einem außerschulischen Partner, dem Revierförster Maik Meißner. Durch sein außerordentlich hohes persönliches Engagement leistet er eine herausragende Arbeit im Bereich der Waldpädagogik und Vermittlung von Achtung und Liebe zur Natur. Schon über 15 Jahre betreibt er eine kontinuierliche und immer wieder für die Kinder spannende Bildungsarbeit im Rahmen seiner "Arbeitsgemeinschaft Wald und Natur“, die alle zwei Wochen bei jedem Wetter in seinem Revier Weißbach stattfindet. Ihn für diesen Preis vorzuschlagen, ist uns ein großes Anliegen als Ausdruck unserer Wertschätzung und Dankbarkeit.

Er vermittelt Werte wie Respekt vor Natur und Umwelt und verantwortungsvollen Umgang mit den uns überlassenen natürlichen Ressourcen. Dabei gelingt es ihm stets, neben dem Schutzaspekt auch den Nutzenaspekt aufzuzeigen und Wald als wertvolle Ressource zu vermitteln. Die über das Schuljahr zu den Kindern aufgebaute Beziehung ist von Herzlichkeit und Vertrauen geprägt, nicht selten wünschen sich Schüler eine Wiederholung des AG-Besuches im nächsten Schuljahr.

In vielerlei Hinsicht hat unsere Grundschule Herrn Meißner als Experte, Ratgeber und Mensch viel zu verdanken. Er vermittelt den Kindern viel Wissenswertes über die Fauna und Flora unseres Waldes, ist authentisch und lebt unseren Kindern vor, wofür er stets einsteht. Das ist nicht immer leicht, denn Konflikte gibt es in der Waldnutzung, wie auch in seinen AG-Gruppen immer wieder, welche aber sachlich gelöst werden. So sensibilisiert Herr Meißner unsere Kinder für viele Themen der Nachhaltigkeit, nicht nur im waldbaulichen Sinne, auch menschlich. Darüber hinaus bietet er für unterschiedliche Altersstufen, für Kinder und Jugendliche aller Schulformen, Projekttage und pädagogisch sehr gute, anschauliche Experimente an, die an außergewöhnlichen Lernorten stattfinden und einen nachhaltigen Bezug zur Natur und Umwelt besitzen. Dafür machte sich Herr Meißner im Rahmen von berufsbegleitenden Weiterbildungen fit und trägt den Titel „Naturpädagoge" bzw. absolviert aktuell den Abschluss zum "Waldpädagogen".

Der Alltag in der AG sieht neben Exkursionen und Touren in den Wald auch die Teilnahme an Ausschreibungen, Wettbewerben oder Preise vor, so dass die Kinder gemeinsamen Ehrgeiz entwickeln, um ihr erlerntes Wissen zu testen. So konnte Herr Meißner den Waldpädagogik-Preis "Ecki 2014" Platz 1, den Kinderwelten Award 2012 und den Kinder und Jugendpreis Thüringens "Blick in die Zukunft" schon einwerben. Herr Meißner nimmt mit unseren Schulkindern an den Waldjugendspielen teil, beteiligt sich an unseren Schulfesten regelmäßig mit einem Wissensstand oder betreut Wandertage unserer Schulklassen. Seit 2016 baut er mit anderen Akteuren der Bürgerinitiative Saalleiten, in welcher sich auch die Schule einbringt, im Wald den Lernort „Grünes Klassenzimmer“ mit auf. So lernen die Kinder die Natur ihrer Heimat schätzen. Sein Ziel ist es, insbesondere Kinder und Jugendliche an den Wald und die Natur so heranzuführen, dass ihre Neugier geweckt wird und positive Erlebnisse im Wald entstehen. Er möchte erreichen, dass trotz steigendem digitalem Medienkonsums (oder gerade deswegen) die Erwachsenen wieder mehr mit ihren Kindern in die Natur, in den Wald gehen. Auf eine ganz besonders feinfühlige Art vermittelt er dabei Wissen über den Wald als Ökosystem, Rohstofflieferant und als Arbeitsplatz.

Die AG besucht zudem Waldarbeiter während ihrer Arbeit, die Kinder dürfen im Harvester Platz nehmen oder dem Rückepferd Horst bei der Arbeit zusehen. Dass jeder ein Leckerli für das Pferd mitgebracht hat, versteht sich von selbst. Und wenn im kalten Winter gemeinsam Holzkohle hergestellt wird, mangelt es nicht an heißem, süßen Waldfrüchte-Tee, den Herr Meißner dann immer dabei hat.

Zu jedem AG-Abschluss gehört eine Familienwanderung mit einer herzlichen Einladung an alle Eltern, deren Kinder seine AG besuchten. Hier wird besonderer Wert auf das gesellige Miteinander gelegt (Picknick) und die Möglichkeit, dass die Kinder ihren Eltern Erlerntes zeigen oder vermitteln können. Dies fördert Wertschätzung und das Selbstvertrauen der Kinder, sich in freier Natur achtsam und sicher zu bewegen - denn was man kennt, dass schützt man. Eine gemeinsame Übernachtung der AG-Kinder am Ende des Schuljahres im Wald oder in einer Naturschutzstation bildet den Höhepunkt und Abschluss. Hier ist neben Herrn Meißner oft auch seine Frau Nicole involviert, da sie früh die frischen Brötchen und warmen Eier liefert. Überhaupt stärkt sie ihrem Mann stets den Rücken durch Hilfe in der Organisation. Die AG-Kinder lernen durch diese Übernachtung andere Bildungshäuser bzw. Gebiete oder Schlafstätten (Jurte) kennen und erfahren in Gemeinschaft aktiv zu sein.

Erfolgreich wurde in den Saalleiten durch das fleißige Sammeln von Haselnüssen die Haselmaus per Fraßspuren belegt, die Wildkatze mit Duftstoffen angelockt. Auch ein Maskottchen, der Schwarzspecht „Waldemar“, begleitet die Kinder durchs Jahr. Das Tier wird in Ökologie und Lebensweise besonders gut beleuchtet und lieb gewonnen.

Herr Meißner tritt bei all seinen Tätigkeiten ungern in den Vordergrund und erweist sich oft als bescheiden. Seine Ansprüche an die pädagogische Vermittlungsarbeit und die Frage, wie man Kinder für die Umwelt begeistern kann, sind hingegen sehr hoch. Dies schätzen wir an ihm sehr, besonders mit Blick auf die vielen Jahre kontinuierlicher Zusammenarbeit.

Im Rahmen unserer Partnerschaft bemüht sich Herr Meißner stets um eine eigenständige Koordinierung der Fahrten in den Wald und bereitet die Inhalte der Angebote umfänglich selbst vor. Kolleginnen wie Frau Mohr und Frau Haase, die ihn treu begleiten und bei seiner Arbeit unterstützen, können nur Gutes über ihn berichten. Dass er über das Jahr immer wieder Spenden für die Realisierung seiner Bildungsarbeit ehrenamtlich einwirbt, macht die AG so wertvoll. So kann z.B. ein Taxiunternehmen die Kinder an den Waldrand fahren, wo kein Bus mehr fährt. Material kommt zum Einsatz, wie z.B. in der Adventzeit, wo Kränze und Gestecke gebastelt werden, die anschließend auf dem Schulbasar verkauft werden. Holzunternehmer, Vereine und Einheimische kann er für seine Arbeit gewinnen und für Spenden begeistern, um AG-Kosten von über 700 Euro (das meiste für die Taxifahrten) pro Jahr zu decken. Diese Leistung sollte gewürdigt und öffentlich bekannt werden, meinen wir.

Beachtlich ist auch, dass Herr Meißner die Inhalte sowie Bildungsaspekte seiner AG Wald und Natur stets weiterentwickelte und damit eine Vorbildrolle für 'lebenslanges Lernen" einnimmt. Seine Begeisterung für den Wald ist ansteckend, seine Begeisterungsfähigkeit lobenswert. Er ist für zahlreiche Kollegen ein wertvoller Fachmann auf Augenhöhe. Seine Verlässlichkeit und Achtsamkeit gegenüber AG-Eltern, AG-Kindern und Kollegen ist vorbildlich.

Manches Mal wünschen wir ihm weniger Stress, weniger Termine, die den Tag so sehr ausfüllen und die ehrenamtliche Bildungsarbeit beschneiden, manchmal wünschten wir uns, es gäbe mehr Menschen von seiner Art.

Das Team der Grundschule „Heinrich Heine“

in Zusammenarbeit mit Frau Annett Hergeth